Seldén Furlex 204E oder 304E: welche elektrische Rollreffanlage passt zu Ihrem Boot?

Der Furlex 204E und 304E arbeiten mit einem 42V-Motor, der über einen DC/DC-Wandler aus dem 12V- oder 24V-Bordnetz gespeist wird. Hier erfahren Sie, welches Modell zu Ihrem Vorstag passt und was die vollständige Installation wirklich kostet.

Seldén Furlex 204E oder 304E: welche elektrische Rollreffanlage passt zu Ihrem Boot?
5 Juni 2026 7 Min. Lesezeit

Wer eine elektrische Rollreffanlage plant, hat die grundsätzliche Entscheidung meist schon getroffen. Die verbleibenden Fragen sind konkreter: Welches Modell passt zu meinem Vorstag, was kostet die vollständige Installation wirklich, und worauf muss ich beim Einbau achten? Der Seldén Furlex 204E und 304E sind die meistgefragten Systeme für Yachten von 9 bis 14 Metern. Dieser Artikel beantwortet alle drei Fragen mit konkreten Zahlen.

Wie der Furlex Electric wirklich funktioniert

Das Motorsystem zu verstehen lohnt sich vor dem Kauf, weil die Installationsanforderungen direkt daraus folgen. Der Furlex Electric verwendet einen 42V-Gleichstrommotor mit selbstsperrendem Schneckengetriebe (40:1). Das Motorgehäuse ist abgedichtet und werkseitig einzeln auf Druckdichtigkeit geprüft.

Das Bordnetz Ihrer Yacht läuft auf 12V oder 24V. Das System enthält einen DC/DC-Wandler, der die Bordspannung auf 42V für den Motor hochsetzt. Vorteil: Die Kabel vom Wandler zur Trommel können dünner und leichter ausgeführt werden als bei direktem 12V-Betrieb, da höhere Spannung bei gleicher Leistung geringere Stromstärke bedeutet. Bei normaler Belastung zieht das System 10-25 Ampere aus dem 12V- oder 24V-Bordnetz.

Die Steuerung erfolgt über Seldéns SEL-Bus-System. Dieser Punkt ist wichtig: Sie können den Motor nicht einfach an einen beliebigen Schalter anschließen. Sie benötigen Seldéns PSU Boat Start Pack und MCU Drive Unit Control Pack, die je nach Bezugsquelle im Lieferumfang enthalten sein können oder nicht. Prüfen Sie dies vor der Bestellung. Der Vorteil des proprietären Systems ist die Integration mit anderer Seldén-Elektronik; die Einschränkung besteht darin, dass Sie in der gesamten Systemkette an Seldén-Komponenten gebunden sind.

Die Bedienung ist zweistufig: niedriger Gang für präzises Trimmen (eine Taste), hoher Gang für schnelles Einrollen (beide Tasten gleichzeitig). Die normale Rollzeit für eine Genua beträgt 25-30 Sekunden. Das selbstsperrende Schneckengetriebe verhindert, dass sich das Segel bei Böen aufrollen kann, wenn der Motor ausgeschaltet ist. Falls die Batterie auf See ausfällt, ermöglicht ein 1/2"-Vierkant an der Steuerbordseite der Trommel den manuellen Notbetrieb mit dem mitgelieferten Linienschlüssel.

204E oder 304E: die Auswahl nach Vorstag-Durchmesser

Die Modellwahl hängt in erster Linie vom Vorstag-Durchmesser ab, nicht vom Segelflächeninhalt oder Verdrängungsgewicht.

  • Furlex 204E: Max. Drehmoment 60Nm. Geeignet für 6mm oder 7mm Drahtvorstag. Erhältlich in Längen von 10,55m, 12,95m, 15,35m und 17,75m. Konzipiert für Yachten von ca. 9-12 Metern mit Genuas bis etwa 35m².
  • Furlex 304E: Max. Drehmoment 90Nm. Geeignet für 7mm oder 8mm Drahtvorstag. Für Yachten von 12-14 Metern mit größeren Segelplänen.

Liegt Ihr Vorstag genau auf der Grenze zwischen den Modellen - ein 7mm-Vorstag auf einem 11,5-Meter-Boot beispielsweise - wählen Sie das größere Modell. Der 304E, der innerhalb seiner Komfortzone arbeitet, läuft leiser, hält länger und löst bei einem unerwarteten Schot-Hänger keine Sicherung aus. Bei 123Furling beobachten wir regelmäßig, dass Segler, die das kleinere Grenzmodell gewählt haben, nach einigen Saisons intensiver Nutzung zu einem Upgrade tendieren.

Wenn Sie bereits eine manuelle Seldén Furlex 200S oder 300S besitzen, gibt es ein Nachrüst-Upgrade-Kit, das Ihr bestehendes System auf elektrischen Antrieb umrüstet. Dies ist oft der wirtschaftlichste Weg, wenn Ihr vorhandenes Profil noch in gutem Zustand ist.

Deckmontage oder Deckdurchführung

Beide Modelle sind als Deckvariante (Standard) und als Deckdurchführungsvariante erhältlich. Der Unterschied betrifft Installationskomplexität, Vorliklänge und das Deckslayout.

Deckmontage (Standard): Die Halsarmatur sitzt auf dem Vorschiff. Unkomplizierte Installation, identischer Fußabdruck wie eine manuelle Furlex, einfache Nachrüstung für alle, die von einer 200S/300S upgraden. Auf einer typischen 11-12-Meter-Yacht ist die Deckmontage die richtige Wahl, es sei denn, Sie führen ohnehin eine umfangreiche Refit durch, bei der der Mast kommt.

Die Deckdurchführungsvariante führt die Halsarmatur durch das Deck, wodurch die Trommel unter Deck verschwindet. Gewinn: maximale Vorliklänge, ein saubereres Vorschiff, keine Stolpergefahr. Nachteil: komplexere Installation (Decksdurchführung, Verrohrung unter Deck) und die Tatsache, dass die Systemwartung Zugang von unten erfordert. Bei einer Yacht, bei der Sie Deck und Innenausbau ohnehin erneuern, lohnt es sich. Bei einer Yacht, die Sie regelmäßig segeln, ist die Deckmontage in der Regel praktischer.

Was die vollständige Installation wirklich kostet

Der Systempreis ist eine Zahl. Die Gesamtinstallationskosten sind eine andere Zahl, und diese ist für die Budgetplanung entscheidend.

Der Seldén Furlex 204E und 304E ist in Europa für ca. €2.800-3.800 netto erhältlich, je nach Händler und Konfiguration. Das Upgrade-Kit für eine bestehende manuelle Furlex kostet typischerweise €2.300-2.500. Diese Preise decken nicht ab, was Sie zusätzlich für den einbaufertigen Betrieb aufwenden:

  • Elektroinstallation: Kabelverlegung vom DC/DC-Wandler zum Vorschiff, PSU-Montage, Anschluss an den Schaltkasten. Rechnen Sie mit 3-5 Stunden Arbeit eines Schiffselektrikers bei €80-120 pro Stunde. Budget: €300-600.
  • Riggarbeit: Das Vorstag muss gegen das neue Furlex-Vorstag ausgetauscht werden, was bedeutet, dass der Mast zumindest am Hals gelöst werden muss. Für eine Decknachrüstung: rechnen Sie mit €200-400 für Riggerstunden, wenn Sie es nicht selbst durchführen.
  • PSU und Steuerpaket: Wenn nicht im Kit enthalten, kommen Seldéns PSU Boat Start Pack und MCU Drive Unit Control Pack separat hinzu. Überprüfen Sie den Lieferumfang Ihres Kits vor der Bestellung.

Realistisches Gesamtbudget für eine Deckmontage auf einer 10-12-Meter-Yacht: €4.500-5.500. Die Deckdurchführungsvariante fügt €300-500 für das Deckdurchführungswerk und zusätzliche Elektriker-Stunden hinzu.

Zum Vergleich: Eine komplette manuelle Seldén Furlex 200S kostet €1.100-1.400. Der elektrische Aufpreis ist erheblich. Etwa die Hälfte der Segler, die 123Furling wegen eines elektrischen Upgrades kontaktieren, entscheiden sich nach Prüfung der vollständigen Kostenübersicht für die Handversion, was eine vollkommen rationale Entscheidung ist, insbesondere für Boote unter 12 Metern, die nicht für Blauwasserfahrten eingesetzt werden.

Drei Punkte, die Segler überraschen

1. Die Sicherung löst im Wind aus. Mehrere erfahrene Segler auf YBW und im Cruisers Forum berichten, dass die Sicherung beim Versuch auslöst, bei stärkerem Wind mit leicht belasteter Schot einzurollen. Dies ist eine konstruktiv vorgesehene Sicherheitsfunktion, kein Defekt: Der Motorschutz greift ein, bevor Segel oder Antrieb Schaden nehmen können. Es bedeutet aber, dass das System nicht so bedienungsarm ist, wie es beworben wird. Bei starkem Wind müssen Sie zuerst die Schot fieren, genau wie bei einer manuellen Anlage.

2. Kabelquerschnitt. Bei 12V und 25 Ampere fließt ein erheblicher Strom. Zu dünne Kabel verursachen Spannungsabfall am Wandler, was den Motor mehr belasten und die Elektronik stärker beanspruchen lässt. Ein mit Hochstromsystemen vertrauter Schiffselektriker ist sein Geld wert. Seldéns Installationshandbuch gibt spezifische Kabelquerschnitte je nach Kabellänge vor.

3. SEL-Bus-Bindung. Das System ist proprietär. Künftige Erweiterungen - Kartenplotter-Integration, Autopilot-Kopplung - funktionieren am unkompliziertesten mit Seldén-Geräten auf dem Bus. Kein K.O.-Kriterium, aber wissenswert vor der Entscheidung.

Für welche Yachten lohnt sich eine elektrische Rollreffanlage

Die ehrliche Antwort aus der Praxis: Elektrische Genua-Rollreffanlagen bringen den größten Mehrwert für Segler, die eine Yacht ab 12 Metern alleine segeln, für Paare, bei denen eine Person das Ruder hält während die andere das Vorschiff bedient, und für alle, deren Schultern nach zwanzig Jahren Segeln zu protestieren beginnen.

Für Wochenendküstentouren mit einem 10-Meter-Boot bewältigt die manuelle Furlex eine Genua mühelos und kostet einen Bruchteil des elektrischen Gegenstücks. Mehr dazu im Vergleich manuell vs. elektrisch und in unserer Übersicht der Rollreffanlage nach Bootsgröße.

Sind Sie unsicher, welches System zu Ihrem Segelprofil passt? Der Produktberater von 123Furling führt Sie anhand von Bootslänge, Vorstag-Durchmesser und Segelstil zu einer konkreten Empfehlung. Oder senden Sie Ihre Bootsdaten direkt an info@123furling.com - wir geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung, ob eine elektrische Anlage für Ihre Situation sinnvoll ist.

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