Wer eine Rollanlage für ein fliegendes Segel sucht, stellt schnell fest: Die meisten Hersteller bieten sowohl einen Code 0 Roller als auch einen Gennaker Roller an - mit verblüffend ähnlichen Beschreibungen. Manche Systeme behaupten sogar, beide Segel verarbeiten zu können. Was ist der tatsächliche Unterschied, und welches System brauchen Sie?
Die kurze Antwort: Es hängt davon ab, wie das Vorliek Ihres Segels aufgebaut ist. Die ausführliche Antwort ist das Thema dieses Artikels.
Der grundlegende Unterschied: Wo beginnt das Drehmoment
Ein Code 0 und ein Gennaker werden auf völlig unterschiedliche Weise eingerollt, und alles beginnt beim Vorliek.
Ein Code 0 hat ein straffes, tragendes Vorliek - ähnlich wie eine Fock. Das Segel ist an einem festen Halsanschlagpunkt befestigt (meist einem Bugspriet), und eine Anti-Torsionsleine verläuft durch das gesamte Vorliek von der Trommel unten bis zum Kopfwirbel oben. Wird die Rollleine gezogen, dreht sich die Trommel und das Drehmoment wandert nach oben entlang der Leine, sodass das Segel von unten nach oben einrollt. Dies funktioniert nur, wenn das Vorliek unter Spannung bleibt. Lässt die Spannung des Falls nach, beginnt sich die Leine im Vorliek aufzuwickeln und das Ausrollen wird zum Problem.
Ein Gennaker oder asymmetrischer Spinnaker ist frei fliegend. Der Hals wird an Bug oder Bugspriet eingehängt, aber das Vorliek hat keine tragende Struktur. Versuchen Sie, ihn von unten nach oben wie einen Code 0 einzurollen, füllt sich das Segel auf halbem Weg mit Wind und lässt sich nicht weiter rollen. Sie brauchen Top-Down-Rollen: Das Drehmoment erreicht zuerst den Kopfwirbel, rollt das Segel von oben nach unten zusammen und lässt es kollabieren, bevor es sich füllen kann.
Code 0 Rollanlagen: Was unterscheidet die Hersteller
Die meisten Code 0 Rollanlagen basieren auf dem Anti-Torsions-Prinzip mit Einrollen von unten nach oben. Die wichtigsten manuellen Systeme sind:
- Facnor FX+ Code 0: Vier Modelle vom FX+900 (bis 30m², Boote von 6 bis 10,5m) bis zum FX+4500 (bis 140m², Boote von 13 bis 16m). Die Monoblock-Trommel - Trommel und Wirbel aus einem Stück gefräst - ist eine der haltbarsten Konstruktionen auf dem Markt. Eine optionale Ratschenfunktion erlaubt es, die Rollleine kurzzeitig freizugeben, ohne dass sich das Segel wieder entrollt.
- Seldén CX: Vier Modelle vom CX-10 (50m²) bis zum CX-45 (200m², bis 28 Tonnen Verdrängung). Alle tragenden Teile sind aus Duplex-Edelstahl. Seldén ist in der Dokumentation eindeutig: Verwenden Sie kein 1:2-Talje-System am Fall. Sie brauchen eine direkte Fallführung.
- Harken Reflex Code 0: Drei Größen für Boote von 6,7m bis 16,5m. Harken bietet zwei Konfigurationen: kabellos (für Segel mit lasttragenden Fasern im Tuch) und mit dem Reflex Anti-Torsionstau. Das Reflex-Tau hat einen Polymermantel, der das Vorliek vor Abrieb schützt - ein Detail, das günstigere Systeme weglassen.
- Profurl NEX V2: Sieben Modelle vom NEX0.9V2 (35m²) bis zum NEX12.0V2 (350m²). Der breiteste Größenbereich aller Hersteller hier. Für größere Boote mit Segelflächen über 200m² ist der NEX oft die einzige manuelle Option, die ausreichend dimensioniert ist. Das Safe System blockiert die Rollleine beim Setzen und verhindert so einen unkontrollierten Leinenablauf.
Gennaker Rollanlagen: Top-Down ist die einzige Wahl
Für einen echten Gennaker oder asymmetrischen Spinnaker ist Top-Down-Rollen der einzige Weg. Die Auswahl ist begrenzter:
- Facnor FX+ Gennaker: Speziell entwickelt für das Top-Down-Rollen asymmetrischer Segel. Erhältlich von 900kg bis 7000kg Arbeitslast, für Boote von 20 bis 70 Fuß. Das Schnellverschluss-Stiftsystem ermöglicht schnelle Segelwechsel, was Hochseesegler schätzen.
- Harken Reflex Gennaker: Drei Größen für Boote von 7,5m bis 17,7m (Segelflächen bis 223m²). Das Reflex Anti-Torsionstau überträgt das Drehmoment bei geringerer Belastung schneller als herkömmliche Seile - Sie spüren das an der Geschwindigkeit, mit der sich das Segel einrollt.
Systeme für beide Segel - wann lohnt sich das?
Mehrere Systeme können mit Adaptern sowohl Code 0 als auch Gennaker verarbeiten. Beim 123Furling-Team sehen wir diese Anfrage häufig von Eignern, die eine Rollanlage für zwei verschiedene Segel nutzen möchten.
- Facnor FX+ mit Fast Thimble Adapter: Der FX+ wird mit dem optionalen Fast Thimble zur Top-Down-Gennaker-Rollanlage. Gute Lösung, wenn Sie bereits einen FX+ für Ihren Code 0 besitzen.
- Seldén CX mit Free Tack Adapter und GX-Fallwirbel: Wandelt den CX in ein Top-Down-System um. Der Kompromiss: Der Wechsel zwischen den Segeln erfordert einen Hardware-Tausch am Steg.
- Profurl NEX V2: Profurl entwickelt den NEX gezielt für Code 0, Gennaker und Screecher mit derselben Einheit. Funktioniert am besten, wenn der Gennaker ein relativ steifes Vorliek hat. Sehr leichte, weiche Nylonsegel rollen möglicherweise nicht ganz so sauber ein.
Dualpurpose-Systeme sind sinnvoll, wenn Sie mit demselben Boot zwei verschiedene Segel in ähnlichen Windbereichen fahren. Für ernsthafte Regatten, bei denen Sie das Beste aus jedem Segel herausholen wollen, sind dedizierte Systeme die bessere Wahl.
Größenauswahl: Segelfläche entscheidet, nicht die Bootslänge
Die Bootslänge ist ein grober Anhaltspunkt, aber die Segelfläche bestimmt, welches Modell Sie brauchen. Ein 38-Füßer kann einen Code 0 von 65m² bis 110m² tragen, je nach Bauweise - diese Flächen erfordern unterschiedliche Modellgrößen.
Aus der Erfahrung des 123Furling-Teams bei der Beratung europäischer Segler:
- Unter 60m²: FX+1500, CX-10, NEX1.5V2, Harken Einheit 1
- 60-100m²: FX+2500, CX-15, NEX2.5V2, Harken Einheit 2
- 100-140m²: FX+4500, CX-25, NEX4.0V2, Harken Einheit 3
- Über 140m²: CX-45, NEX6.5V2 oder größer, oder ziehen Sie ein elektrisches System in Betracht
Liegt Ihre Segelfläche an der Grenze zweier Modellgrößen, wählen Sie immer die größere. Eine zu kleine Trommel erzeugt Reibung und verschleißt schneller.
Kosten, die in der Produktbeschreibung fehlen
Die meisten Hersteller nennen den Preis der Antriebseinheit, aber für ein vollständiges System brauchen Sie in der Regel zusätzlich:
- Eine Anti-Torsionsleine im richtigen Durchmesser und der richtigen Länge - nicht immer im Lieferumfang enthalten, Harken verkauft sie separat
- Einen Kopfbeschlag oder Kopfwirbel - manchmal separat erhältlich, besonders bei Gennaker-Aufbauten
- Einen Halsadapter, falls Sie an einem Bugspriet montieren
- Möglicherweise ein neues Fall - Ihr bestehendes Fall läuft eventuell nicht korrekt durch den neuen Wirbel
Für Gennaker-Systeme mit Segelflächen über 80m²: Wenn Sie mit kleiner Crew segeln, überlegen Sie genau, ob manuelles Rollen realistisch ist. Bei 25 Knoten 100m² frei fliegendes Segel von Hand einzuholen ist genuiner Kraftakt. Elektrische Systeme wie der Seldén CXe Gennaker rollen in unter 10 Sekunden auf Knopfdruck ein.
Brauchen Sie die Ratschenfunktion?
Der Profurl NEX V2R hat den FurlAssist mit Ratsche. Der Facnor FX+ bietet eine als Option. Das Prinzip: Ist das Segel teilweise eingerollt, können Sie die Rollleine freigeben, ohne dass sich das Segel wieder entrollt - nützlich, wenn Sie beide Hände für etwas anderes brauchen.
Für Fahrtensegeln mit kleiner Crew rechtfertigt die Ratsche ihren Preis. Für Regatten mit voller Crew ist sie weniger entscheidend. Die Ratsche fügt mechanische Komplexität hinzu, und manche Segler verzichten lieber darauf und nutzen eine Klemme - was gut funktioniert, wenn das Segel beim Einrollen nicht viel Last erzeugt.
Unsicher, welches System zu Ihrem Segel passt? Nutzen Sie den Produktberater auf 123Furling, oder schreiben Sie an info@123furling.com mit Segelfläche, Vorlieklänge und Bootstyp. Wir prüfen die Kompatibilität vor Ihrer Bestellung.